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Das handgemachte Web ist das wahre offene Internet – also fördert es

Persönliche Websites und kleine unabhängige Projekte sind das, was vom Geist des offenen Webs übrig ist. Auf bessere Plattformen zu warten, ist eine schlechte Wette; Leser sollten Macher direkt unterstützen.

Veröffentlicht
25. Oktober 2026
Lesezeit
4 min
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KI-generiertes Bild

Ist das offene Internet tot, oder haben wir nur im falschen Raum gestanden? Je mehr wir über den Zustand des Webs lesen, desto eher halten wir es für Letzteres. Das Beste im Netz ist nicht verschwunden. Es ist aus dem Feed ausgezogen und kommt von allein nicht zurück.

Anlass für diese Kolumne ist ein Beitrag von Time Extension mit dem Titel „It's Tough Out There, So Check Out These Amazing Websites“. Seine Antwort lautet nicht, die Plattformen zu reparieren, sondern auf sehenswerte Websites zu verweisen. Dazu gehört Retro Dodo, das nach Angaben des Magazins häufig als Quelle zitiert wurde und als attraktives, inhaltsreiches Retro-Gaming-Portal beschrieben wird. Das ist eine sehr altmodische Art, auf eine schlechte Zeit zu reagieren: Man zeigt auf Leute, die gute Arbeit leisten, und sagt „geht dorthin“.

Auf bessere Plattformen zu warten, ist keine Strategie

Dazu passt, was unabhängige Publisher über ihren eigenen Traffic berichten. In einem Indie-Web-Bericht für 2025 beschreibt der Autor von Cybercultural ein Jahr, in dem KI-Zusammenfassungen den Traffic aus Suchmaschinen schrumpfen ließen und soziale Medien ihren Krieg gegen Hyperlinks fortsetzten. Er stellt fest, dass die meisten großen sozialen Dienste (Facebook, X, Threads, LinkedIn und andere) Links inzwischen benachteiligen und dass Treffer auf der Startseite von Hacker News rund 85 % des Traffics aus sozialen Netzwerken ausmachten. Google Discover schickte dagegen im ganzen Jahr magere 112 Klicks.

Das sind keine Plattformen kurz vor einer Reform. Es sind Systeme, deren Anreize unserer Ansicht nach darin bestehen, Nutzer im eigenen Haus zu halten. Wir sehen keinen kommerziellen Grund für eine Kehrtwende; das ist unsere Meinung, keine Prognose. Wer „darauf wartet, dass es besser wird“, stimmt faktisch für den Status quo.

Das Indie-Web ist der Nachfolger, kein Nostalgieakt

Man kann das alles leicht als Kostümfest der späten 1990er abtun. Der Beitrag von New Public über das Indie-Web beschreibt zwar eine Ästhetik aus GIFs, schrägen Mauszeigern und persönlichen Websites. Doch wichtig ist ihm etwas anderes: langsames, bewusstes Erkunden aus Neugier und Freiheit von Branding, Wachstum und Monetarisierung. Daniel Murray, der Melonking betreibt, wollte die Seite nach eigenen Worten schlecht programmieren und mit Bildern niedriger Qualität vollstopfen. Das ist kein Geschäftsmodell. So sieht ein kreativer Raum aus, den niemand optimiert.

Auch für uns ist das vertrautes Terrain. Die Demoszene funktionierte immer so: von Hobbyisten gemacht, auf Treffen geteilt, nach handwerklichem Können statt nach Reichweite bewertet. Die Prinzipien der IndieWeb-Community lesen sich fast wie ein Manifest dieser Kultur: die eigene Domain besitzen, zuerst auf der eigenen Website veröffentlichen, die eigenen Inhalte behalten. Dazu gibt es Meetups, den Homebrew Website Club und das zweitägige IndieWebCamp. Eine Bewegung, die echte Veranstaltungen abhält, statt nur über sich zu posten, versucht zumindest, eine Gemeinschaft zu sein und kein Publikum.

Unterstützen – aber ohne Reinheitsmythos

Differenzierung ist hier wichtig. Selbst die Freunde der Bewegung sind sich über Begriffe nicht einig. Der Eintrag des IndieWeb-Wikis zum Small Web räumt selbst ein, der Begriff sei vage und werde für unterschiedliche Projekte verwendet; ein dort zitierter Kritiker nennt Hosting auf fremden Servern „digital green-washing“. Dan Q weist in seiner Reaktion auf den New-Public-Artikel auf die Ironie hin, eine Lobeshymne auf das Indie-Web auf Substack zu lesen – einer Plattform, auf der andere die Kontrolle über die eigene Präsenz behalten.

Wir halten diese Ironie für ein Merkmal der Zeit, nicht für eine Widerlegung. Reinheitstests sind ein Luxus; wer das Beste schafft, arbeitet mit dem, was er hat. Der Autor von Cybercultural erwägt sogar, jede Beitragsreihe als im Selbstverlag erscheinendes Buch herauszubringen, weil Bücher von Natur aus länger haltbar seien als Websites. Physische Objekte können offenbar eine Strategie zur Bewahrung sein.

Was also sollte ein neugieriger Leser konkret tun? Unsere Sicht, ganz praktisch:

  • Direkt abonnieren: RSS, Newsletter von der eigenen Domain des Autors, ein Abo eines gedruckten Magazins.
  • Großzügig verlinken. Links sind die Währung, die Algorithmen nicht zahlen wollen.
  • Spenden oder eine Kleinigkeit kaufen. IndieWeb selbst nennt Merchandise und Spenden über Open Collective als Möglichkeiten zu helfen.
  • Eine eigene Seite bauen, egal wie hässlich. „HTML is still good“, wie es in einer auf der Small-Web-Seite des Wikis zitierten Zeile heißt – dem ist schwer zu widersprechen.

Fazit

Das düstere Internet ist real, aber „das Internet“ war immer ein Plural. Das handgemachte Web persönlicher Websites wird die Giganten nicht ersetzen und würde, wie New Public anmerkt, nicht mehr klein und unabhängig sein, wenn es Mainstream würde. Das ist in Ordnung. Es muss nicht gewinnen. Es muss überleben, und das Überleben hängt davon ab, dass Leser sich weniger als Nutzer und mehr als Förderer verhalten. Suchen Sie sich diese Woche drei unabhängige Websites aus, abonnieren Sie irgendwo, wo die Plattform Sie nicht drosseln kann, und schicken Sie jemandem einen Link. Das ist das ganze Programm, und es wirkt besser als jedes Abwarten.

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