Der C64 für die Hosentasche kommt erst im April 2027 – die bestmögliche Nachricht
Blaze verschiebt den THEC64 Handheld wegen der Verarbeitungsqualität von Oktober 2026 auf April 2027. Bei einem Emulator für 129,99 Euro ist spät besser als schlecht.
KI-generiertes Bild
Wie viele Nostalgie-Gadgets haben Sie schon gekauft, die sich wie eine Entschuldigung aus Plastik anfühlten? Retro-Fans kennen das Muster: ein geliebtes Logo, eine überstürzte Fabrikproduktion und ein Gerät, das seine Schwächen erst zeigt, wenn die Rückgabefrist verstrichen ist. Deshalb ist die Verschiebung des Commodore 64 für die Hosentasche ein seltener Fall: Ein Hardwarehersteller tut zum richtigen Zeitpunkt das Unbequeme.
Was tatsächlich passiert ist
Blaze Entertainment hat den THEC64 Handheld und den passenden Spectrum-Handheld von der geplanten Auslieferung im Oktober 2026 auf April 2027 verschoben, eine Verzögerung von mehreren Monaten, wie GIGA berichtet. Laut PC Games Hardware kam die Ankündigung nur 16 Tage vor dem geplanten Start. Als Grund wird die Fertigungsqualität genannt. Retro Gaming Crew zufolge sprach Blaze von Problemen bei Konstruktion oder Verarbeitung, die den eigenen Ansprüchen nicht genügten, und entschied sich für einige zusätzliche Monate statt für schnelle Notlösungen.
Bei dem Gerät handelt es sich laut GIGA um einen Klapp-Handheld, der stark an einen Nintendo DS erinnert. Im Inneren emuliert ein ARM-Prozessor die C64-Hardware und steuert ein IPS-Display. Vorbestellbar ist er für 129,99 Euro.
Sechzehn Tage vor dem Start ist spät, aber kein Skandal
Man kann sich leicht ärgern. Das Gerät war bereits bei Händlern gelistet, Vorbestellungen liefen, und ein Termin war angekündigt. Eine Verschiebung um etwa sechs Monate, wie es gameforest.de formuliert, ist keine Rundungsdifferenz.
Dennoch sagt der Zeitpunkt unserer Ansicht nach etwas Positives aus. Die Alternative wäre gewesen, im Oktober mit einem Mangel auszuliefern, den Blaze bereits kannte. Die uns vorliegenden Unterlagen nennen den Defekt nicht, und wir wollen nicht spekulieren. Aber ein Unternehmen, das zwei Wochen vor dem Start ein Problem findet und die Blamage in Kauf nimmt, verhält sich anders als eines, das ausliefert und später nachbessert. Ein Scharnier oder ein schlecht verarbeitetes Gehäuse lässt sich nicht per Firmware-Update reparieren, und ein Klappgerät steht und fällt mit seinem Scharnier. Dieser letzte Punkt ist unsere Einschätzung, keine Aussage von Blaze.
Emulations-Hardware hat nur eines zu verkaufen
Hier die unbequeme Wirtschaftslogik: Es handelt sich nicht um einen Nachbau des originalen Chips. Ein ARM-Chip, der einen C64 emuliert, ist technisch ein sehr leistungsfähiger, aber gewöhnlicher Ansatz. C64-Emulation lässt sich auf jedem Smartphone oder auf einem günstigen Linux-Handheld ausführen, und die Community-Firmware für diese Geräte wird laufend besser. ComputerBase berichtete kürzlich über MustardOS Andromeda, eine angepasste Firmware mit rund 1.250 Änderungen für 18 unterstützte Retro-Handhelds. Das ist aus unserer Sicht die eigentliche Konkurrenz: günstig, flexibel und gut genug.
Was bietet also ein lizenziertes Gerät? Keine rohe Leistung. Es bietet den offiziellen Namen, ein durchdachtes Design und das Versprechen, dass es sich in der Hand richtig anfühlt. Nimmt man die Verarbeitungsqualität weg, bleibt nur ein Logo. Für 129,99 Euro ist das physische Objekt das Produkt. Wenn das Scharnier knarzt oder die Oberfläche rau ist, haben Käufer keinen Grund, sich dafür statt für die Alternativen zu entscheiden, die sie bereits besitzen.
Deshalb schützt die Verschiebung unserer Meinung nach die gesamte Kategorie, nicht nur Blaze. Jede enttäuschende Nostalgie-Box lehrt Fans, auf Tests zu warten und der nächsten Ankündigung zu misstrauen. Ein gut gemachter C64-Handheld tut, selbst verspätet, das Gegenteil.
Was wir Fans raten würden
Erstens: Eine Vorbestellung nicht aus Trotz stornieren. Sechs Monate sind eine lange Wartezeit, aber es ist das Warten auf etwas, das der Hersteller nach eigener Aussage richtig machen will. Zweitens: realistische Erwartungen behalten. April 2027 ist ein neues Versprechen, kein ausgeliefertes Produkt, und wir würden es als solches behandeln, bis Testgeräte existieren. Sollte Blaze erneut verschieben, ist der Vertrauensvorschuss aus dieser Entscheidung schnell aufgebraucht.
Drittens, und hier stehen wir klar auf der Seite des Unternehmens: Man sollte einfordern, dass dies zur Regel wird. Hardwarehersteller, gerade im Retro-Bereich, sind oft versucht, jetzt auszuliefern und sich später zu entschuldigen. Blaze hat das Gegenteil getan, und das verdient Geduld statt Empörung.
Unser Urteil: Ein verspäteter C64-Handheld, der funktioniert, schlägt einen pünktlichen, der enttäuscht. Schlimmer als das Warten bis April wäre nur, im Oktober gekauft zu haben.
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